Verhandlungsformen politikethischer Probleme in amerikanischen TV-Dramen seit dem 11. September

Assoziiertes Projekt H

Das Projekt stellt die Frage nach der Rolle amerikanischer TV-Politdramen als Foren und fiktionalen Experimentierfeldern politischer Öffentlichkeit im Spannungsfeld des 11. September und seiner politischen, rechtlichen und militärischen Auswirkungen.

Als massenmediale Formate, die sich an ein Breitenpublikum richten, sind Fernsehserien geprägt von politisch-moralischer Ambivalenz. Diese Ambivalenz findet ihren narrativen Ausdruck in Darstellungsstrategien, deren Grundmodell das Dilemma ist: Fiktionen des Ausnahmezustandes verlangen nach extremen Entscheidungen, anhand derer kulturelle Standards des ethisch Richtigen oder zumindest Akzeptablen in Frage gestellt und neu verhandelt werden müssen, ohne dass dabei eine eindeutig legitimierbare „Lösung“ in Aussicht gestellt werden könnte. Im Kontext seriellen Erzählens ist das Dilemma jedoch nicht nur eine wiederkehrende Plotkonstruktion; indem die moralische Unauflösbarkeit der Entscheidungssituation auf Dauer gestellt wird, ist sie zugleich ein wichtiger Faktor der Involvierung und dauerhaften Bindung des nach Orientierung suchenden Zuschauers.

Anhand stilbildender Politdramen wie 24, Battlestar Galactica, Homeland oder Deadwood wird untersucht, welche narrativen und formalen Elemente in der Erzeugung ethischer Grauzonen zur Anwendung kommen, in denen politische Identifizierungsmuster (links/rechts, liberal/konservativ) zwar erkennbar bleiben, zugleich aber auch neu besetzt, dekonstruiert, vermischt und relativiert werden. Dabei wird die spezielle Eignung serieller Erzählformen für die fortgesetzte Infragestellung und Neuverhandlung derartiger Orientierungskategorien ebenso beleuchtet wie die Rolle politisch-ethischer Fragestellungen bei der Herausbildung serieller Rezeptionsmuster.

Das Projekt wurde durch ein Rückkehrstipendien für Deutsche aus dem Ausland vom DAAD gefördert.

Bearbeiter: Martin Lampprecht, Filmwissenschaft und Dokumentarfilmregie, Aix-en-Provence