Massenkultur in Serie: Populäre Film Serials und Strukturen des Seriellen in den USA, 1910-1940

Teilprojekt 9

Das Film Serial, das von 1910 bis in die 1940er Jahre eines der populärsten narrativen cinematischen Formate in den USA und Europa darstellte, entfaltete sich insbesondere in der Konkurrenz zu seriellen Medien: Film Serials arbeiteten sich an Serienromanen ebenso ab wie an Serienerzählungen in der populären Presse, an Comicstrips oder Radio Serials; sie wirkten auf diese seriellen Formate aber auch ihrerseits zurück. Die komplex verschränkten seriellen Verweisverhältnisse, die das Film Serial prägen, fordern das Begriffsinventar der Intertextualität und der Intermedialität heraus, weil sie sich nicht nur aus konkurrierenden und konvergierenden medialen Formaten und Verfahren generierten, sondern in einer massenkulturellen Medienökologie grundlegend verankert waren.

Das TP möchte anhand einer Bandbreite von Film Serials unterschiedlicher Genres (Fantômas, 1913-14; Perils of Pauline, 1914; Exploits of Elaine, 1914; Officer 444, 1926; Tarzan the Tiger, 1929; The Vanishing Legion, 1931; Hurricane Express, 1932; Flash Gordon, 1936/38/40; Dick Tracy, 1937/38/39/41 u.a.) die Strukturen und Verfahren filmischer Serialität (Cliffhanger, Tableaux, Wiederholung/Variation, Spannungslenkung, Zuschauerbindung usw.) in ihrer Intersektion mit den Figurationen und Funktionen einer serialisierten Massenkultur (Mode/Konsumpraktiken, totalitäre/populistische Formate der Politisierung, gemeinschaftsbildende Medienensembles) untersuchen.

Dabei geht es nicht nur um die narrativen Gegenstände der ausgewählten Serials, sondern vor allem auch um das konnexionistisch wuchernde Moment populärer Serialität selbst: die Spin-offs in Form von massenproduziertem extratextuellem Merchandising, das mediale Ineinandergreifen unterschiedlicher serieller Formate in Film, Radio, Comic usw., die "serielle" Durchformung von Publika auch in der Überschneidung mit politischer Propaganda und ökonomischer Rationalisierung. Das kulturtheoretisch angelegte Projekt arbeitet mit Methoden der Filmsemiotik, Narratologie und Diskursanalyse. Für die Forschergruppe soll es insbesondere die narrativen und politisch-ideologischen Dimensionen einer Semantik des Seriellen anhand konkreter historischer Konstellationen und medialer Konfigurationen ausloten.

Das TP leistet historische Grundlagenarbeit für die Forschergruppe. Es zielt sowohl auf eine Erschließung des filmischen Materials unter den Vorzeichen der Serialitätsforschung als auch auf die Auseinandersetzung mit den Implikationen dieses Materials für eine neu zu justierende Geschichte der amerikanischen Massenkultur im 20. Jh. Die Auseinandersetzung mit den Film Serials soll zum Anlass genommen werden, die Geschichtsschreibung zur Medienökologie von 1910 bis 1940 (also des Untersuchungszeitraums) kritisch zu revidieren, um damit auch Materialien und Ansatzpunkte für eine Revision medienhistorischer Prämissen für die Folgeepochen zu erarbeiten, die in anderen TP der Forschergruppe untersucht werden.


Leiterin: Prof. Dr. Ruth Mayer, American Studies, Hannover
Bearbeiterin: Ilka Brasch, M.A., American Studies, Hannover