Retrospektive Serialisierung: Remaking als Verfahren cinematischer Selbsthistorisierung

Teilprojekt 11

"Remaking" ist eines der effizientesten Verfahren im Hollywood-Kino, eine bekannte Geschichte nochmals, aber neu zu erzählen. Während Medien mit kurz getakteten Produktions- und Rezeptionsrhythmen (Zeitung, Fernsehen, aber auch frühe Film Serials) die laufende Serialisierung narrativer Stoffe begünstigen, ist der amerikanische Spielfilm seit der Konsolidierung des Studiosystems auf langsamere, da aufwändigere Strategien variierender Wiederholung angewiesen. Als medienspezifisches Verfahren populärer Serialität erzeugt Remaking somit unterschiedliche cinematische Wiederholungs- und Fortsetzungsformate und organisiert diese in historisch variablen Kategorien der Filmindustrie (Remake im engeren Sinn als "Neuverfilmung", Sequel, Prequel, Trilogie, Franchise usw.).

Verglichen mit periodisch publizierten Serien, die Populärkultur im engen Austausch mit engagierten Publika herstellen, agieren diese Formate auf einer abstrakteren Ebene imaginierter Vergemeinschaftung: Statt Alltagsrhythmen strukturieren sie generationelle und medienhistorische Abfolgen, statt konzentrierten Fankulturen unterstützen sie weitläufigere Expertisen (z.B. Cinephilen-Kultur), statt personalen Identifikationen stellen sie Kontinuitätsmarker bis hinauf zur Ebene nationaler Selbstinszenierung zur Verfügung.

Ausgehend von diesen Überlegungen untersucht das TP eine serielle Operation, die sich beim filmischen Remaking aufgrund der zeitlichen Weitläufigkeit seiner Distinktionsschritte besonders gut beobachten lässt: die retrospektive Serialisierung zunächst unverbundener "Versionen" eines Narrativs. Anhand wirkmächtiger Fallbeispiele aus dem Zeitraum 1927 bis 2013 wird für die wichtigsten Aktionsfelder (Produktion, Rezeption, ästhetische Praxis) gefragt, (1) welche cinematischen Variationsformate durch Remaking erzeugt werden, (2) wie Remaking die Variationsmöglichkeiten einer Geschichte erweitert bzw. bereits Erzähltes integriert oder in seinem Handlungsspielraum limitiert und so (3) zu cinematischen Selbsthistorisierungen (d.h. Kinogeschichtsschreibung betrieben in und von Kinofilmen) beiträgt, die sich möglicherweise als serielle Narrative zweiter Ordnung beschreiben lassen.


Leiter: Prof. Dr. Frank Kelleter, American Studies, FU Berlin
Bearbeiterin: Kathleen Loock, M.A., American Studies, FU Berlin