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Autorisierungspraktiken seriellen Erzählens am Beispiel der Gattungsgenese von Batman- und Spider-Man-Comics

Teilprojekt 3

Das TP geht von der Annahme aus, dass serielle Erzählformen in besonderer Weise dazu neigen, kreative Aktivitäten auf Seiten ihrer Rezipienten freizusetzen. Schon aufgrund der engen zeitlichen Verschränkung von Produktion und Erstrezeption nehmen Leser, Zuschauer oder Fans seit jeher einen vergleichsweise großen Einfluss auf Inhalt, Fortgang und Struktur kommerzieller Serien. Dieser Hang seriellen Erzählens zur Popularisierung (hier: zur Vermehrung und Diversifizierung kulturschaffender Handlungen) erzeugt Autorisierungskonflikte. Wie und von wem z.B. wird über die Legitimität unautorisierter Fortsetzungen und Umschreibungen verhandelt und entschieden? Wie begünstigen, kontrollieren oder kanalisieren professionelle Autoren die Partizipationsakte ihrer Adressaten? Wie werden sie selbst zu Adressaten ihres Publikums? Wie spiegeln sich diese Auseinandersetzungen in der ästhetischen Praxis autorisierter und unautorisierter Produkte? Welchen Wandel erfahren die bildungskulturell etablierten Handlungsrollen Autor / Leser durch populäre Serialität?

Diese Fragen lassen sich besonders gut mit Blick auf US-amerikanische Seriencomics untersuchen, da Autorisierungskonflikte hier außerordentlich explizit ausgetragen werden. Unser Schwerpunkt liegt auf der Genese des Superheldengenres, mit exemplarischem Fokus auf Batman- und Spider-Man-Comics ab 1962. Unser Erkenntnisinteresse richtet sich auf das Selbstverständnis text- und bildproduzierender Akteure, so wie es über Leserbriefe, Fanzines, Fan Fiction, Blogs, aber auch über die Praxisperspektive und Selbstthematisierung professioneller und Amateur-Produzenten sowie über die Kulturarbeit der ausgewählten Comic-Serien hermeneutisch, diskursanalytisch und bildanalytisch zugänglich ist.


Leiter: Prof. Dr. Frank Kelleter, American Studies, FU Berlin
Bearbeiter: Dr. Daniel Stein, American Studies, FU Berlin